Landesmappe: Diverses .

Zitate
(Antoine de Saint-Exupéry, 1937)
Wir ritten durch ein Stück Marschland, und als ich mich eifrig nach dem Fluß umsah, rief einer von ihnen aus: „Geo affili – seht da, das Wasser!" Ich blickte Vorwärts und sah mit unendlichen Vergnügen den großen Gegenstand meiner Sendung, den majestätischen Niger, so breit als die Themse bei Westminster, in der Morgensonne flimmernd und langsam nach Osten fließend. Und mein glühender Dank strömte in Gebeten zu dem großen Regierer aller Dingen, der soweit wenigstens meine Bemühungen mit einem glücklichen Erfolg gekrönt hatte.
(Mungo Park, 1796)
Der Umstand, das der Niger nach Osten fließt, setzte mich aber nicht in Verwunderung; denn obgleich ich Europa mit großen Zweifeln darüber verlassen hatte und eher glaubte, er nähme einen ganz entgegengesetzten Lauf, so hatte ich doch bei allen Nachfragen, die ich während meiner Reise häufig anstellte, von Negern verschiedener Nationen immer so deutliche und entscheidende Versicherungen erhalten, daß er der „aufgehenden Sonne entgegen" fließe, daß mir kaum noch irgendein Zweifel übrigblieb.
(Mungo Park, 1796)
Afrika verschlingt und absorbiert alles Feindliche.
Vielleicht ist es das auserwählte Land,
dem einst der Funke entspringt,
der zur Erneuerung der Welt führt.
(Isabelle Eberhardt, 1902)
Das Kamel ist das Herz des Nomadismus. Wenn des Mensch in der Wüste leben will, muß er dem Kamel dienen; er muß allen seinen Gewohnheiten Rechnung tragen, und nicht das Kamel ist der Sklave des Menschen, sondern der Mensch der des Kamel.
(Alfons Gabriel, 1958)
Draussen im Staub herrschte afrikanisches Durcheinander, aber zum erstenmal ohne ein sichtbares Zeichen europäischen Einflusses, und so hatte die Szene eine Originalität, die den anderen Städten gefehlt hatte. Eine unerwartete Vollkommenheit, die das Gefühl des Chaotischen wieder auflöste.
(Paul Bowles, 1949)
Wieder einmal hat das beruhigende, freie und einfache
Beduinenleben voll und ganz von mir Besitz ergriffen,
daß mir alles andere nicht mehr so wichtig erscheint.
(Isabelle Eberhardt, 1899)
Ich werde mein Leben lang Nomade bleiben,
verliebt in den wechselnden Horizont,
in die unerforschten, ferne Orte,
denn jede Reise,
selbst zu den überfülltesten und viel besuchten Ländern,
ist eine Entdeckung.
(Isabelle Eberhardt, 1903)
Es gibt eine Hierarchie des Stämme der Wüste. Auf dem Gipfel der Rangordnung stehen die reinen Kamelzüchter. Es sind die „großen" Nomaden. Diesem Menschentum ist es geglückt, in einem extremen Trockenraum zu leben, wo es nur launenhafte Niederschläge und flüchtige Weiden gibt. Man haust weitab von den Seßhaften, unberührt von allen lästigen Obrigkeiten, die die Lebensführung überwachen und Raub und Überfälle bestrafen. Man sollte denken, daß es nichts eintönigeres gibt als immer wieder aufzubrechen und umherzuziehen, nie ein bleibendes Ziel zu haben, jahraus und jahrein, sein ganzes Leben. Aber niemand, der je das Glück hatte, mit den Nomaden der Wüste in enge Berührung zu kommen, kann sich dem Zauber ihrer Lebensführung entziehen. Er versteht die Wüstenkinder, die das Wanderleben, und mag es noch so hart sein, dem Leben in festen Wohnsitzen vorziehen und sich nach Unterwegssein mit den Herden sehnen.
(Alfons Gabriel, 1958)
Ich muß aufhören, mich zu verlieren in dem verführerischen, die Sinne betäubenden Leben dieser Stadt mit ihren tausend Stimmen, die sich aus dem dunklen Schattenlabyrinth erheben, sobald das heiße Licht des Tages ausgelöscht ist.
(Hans Ritter, 1986)
So unterschiedlich die Menschen der Wüste auch waren, die Mauren und Tuareg, die Tubu, Bororo und arabischen Nomaden, die ich auf dieser langen Reise kennengelernt hatte in flüchtigen und intensiven Begegnungen, in einsamen Karawanentagen und dem Gedränge der Märkte, dem Elend der Lager und der Gastfreundschaft nächtlicher Feste, so sehr verband sie ihr hartnäckiger, stolzer und fast immer mit Würde geführter Kampf ums Überleben, eine hoffnungsvolle Lebensfroheit und die Großmütigkeit in düsteren Situationen, die, für Außenstehenden unerläßlich, immer wieder zum Durchbruch kam und diese Menschen so liebenswert machte.
(Hans Ritter, 1986)
Du trittst durch das Tor des Fort oder der Stadt, gehst an den Kamelen vorbei auf die Dünen oder hinaus in die harte steinige Ebene und bleibst eine Weile dort stehen – allein. Binnen kurzem wirst du entweder frösteln und schnell ins Innere der Mauern flüchten oder ausharren und zulassen, daß etwas Eigenartiges mit dir geschieht. Jeder, der dort lebt, weiß warum; die Franzosen nannten es le bapteme de la solitude. Es ist eine unvergleichliche Erfahrung, die nicht das Geringste mit dem Gefühl der Verlassenheit zu tun hat, denn dieses setzt Erinnerung voraus. Hier, in dieser rein mineralischen Landschaft, die von Sternen erleuchtet wird wie von Fackeln, schwindet selbst die Erinnerung; nichts bleibt, nur dein Admen und das Pochen deines Herzens. Ein merkwürdiger und keinesfalls angenehmer Prozeß beginnt in deinem Inneren, und du hast die Wahl, dagegen anzukämpfen und die Person sie bleiben, die du immer warst, oder ihm freien Lauf zu lassen. Denn niemand, der eine gewisse Zeit in der Sahara verbracht hat, wird ganz derselbe sein wie zuvor.
(Paul Bowles, 1963)
Die Wüste ist der Garten Allahs, aus dem der Herr der Gläubigen alles überflüssig menschliche und tierische Leben entfernt hat, auf daß es einen einzigen Ort gäbe, wo er in Frieden wandeln kann.
(Arabisches Sprichwort)
Jetzt habe ich nur einen Wunsch:
Mich wieder in diese vertraute Persönlichkeit zu hüllen,
die im Grunde genommen meine wirkliche ist, und nach Afrika zurückkehren.
Ich sehne mich danach,
in der kühlen tiefen Stille unter Sternen zu liegen,
mit nichts als dem unendlichen Himmel als Dach
und einem warmen Boden als Bett.
(Isabelle Eberhardt, 1900)
In den unberührten arabischen Städten ist die unleugbar verzaubernde Atmosphäre Afrikas direkt greifbar.
(Isabelle Eberhardt, 1902)
Frei und ohne Bindungen sein,
in diesem Land zu kampieren,
in dieser großen Wüste,
wo ich nie etwas anderes als ein Fremder
und Eindringling sein werde.
(Isabelle Eberhardt, 1900)
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